Wie Sie noch mehr aus sich raus holen

Charly Brown zu seiner Schwester:

„So stehe ich, wenn ich deprimiert bin. Wenn du deprimiert bist, ist es wichtig, eine ganz bestimmte Haltung einzunehmen. Das Verkehrteste, was du tun kannst, ist aufrecht und mit erhobenem Kopf dazustehen, weil du dich dann sofort besser fühlst. Wenn du also etwas von deiner Niedergeschlagenheit haben willst, dann musst du so dastehen.“

Mit dieser lustigen Episode aus den Peanuts beginne ich immer meine Vorträge, wenn ich über Embodiment spreche. Embodiment ist eine Wissenschaft, die die Wechselwirkung von Körper und Geist, von Physis und Psyche erforscht und damit als grundlegende Wende in der Kognitionswissenschaft gilt. Es gibt eine Menge hochinteressanter Studien, die ich Ihnen erspare, wenn Sie wie Charles M. Schulz und ich der Meinung sind: „Studien brauche ich nicht, denn die Geschichte von Charly Brown ist mir Beweis genug, dass da was dran ist; das kann ich sofort nachvollziehen.“

Herzlich willkommen im Club der Pragmatiker und hier die erste Frage des Pragmatikers: „Wie kann ich die Wechselwirkung von Körper und Psyche für mich nutzen?“ Oder noch ambitionierter: „Wie kann ich wie Charly Brown mit einer simplen Bewegung, Geste, Halung meinen Geist von ‚eher erschöpft‘ auf ‚schon wieder topmotiviert und voll leistungsfähig‘ bringen?“ Ganz einfach:

Bewohne deinen Körper!

Ich meine nicht, dass Sie Ihrem Körper Gutes tun sollen mit Sport, Wellness und Massagen – das ist sicherlich ein gute Sache. Ich meine: Bewohnen Sie Ihren Körper wirklich. Nehmen Sie ihn achtsam wahr, ohne etwas bewirken zu wollen, nichts verändern, nur präsent sein und beobachten, was da passiert. „Wie bitte?“ werden jetzt einige fragen. „Was soll denn das bringen?“

Die Forschung arbeitet daran, auf die nächsthöhere Form in der KI (Künstliche Intelligenz) zu kommen und beginnt, neuronale Netzwerke zu konstruieren und ein Programm zu erschaffen, das gespeicherte Programme ändern kann. Inspiriert von der Biologie kamen Forscher hierbei zur Erkenntnis:

Lernen ist an einen Körper gebunden.

Doch die meisten Menschen entwickeln sich genau in die andere Richtung. Sie trennen sich von ihrem Körper und haben überhaupt keinen Kontakt mehr zu ihm. Sie „verkopfern“ total und nutzen damit nur 20 Prozent ihres Potenzials.

Deswegen mein Tipp: Bewohnen Sie Ihren Körper, nehmen Sie ihn wahr. Verbessern Sie Ihre Handlungsfähigkeit, indem Sie die Kopplungen mit Ihrem neuronalen Netzwerk optimieren. Dazu müssen Sie nicht in die Forschung einsteigen, sondern einfach nur achtsam in den Körper hinein hören. Gelegenheit gefällig?

Wenn Sie demnächst wieder jemandem zuhören, hören Sie gleichzeitig in sich hinein, was das alles in Ihnen auslöst. Wie ist Ihre Atmung? Sind da Verspannungen? Wo sitzen diese, wie fühlen sie sich an? Vielleicht achten Sie auch auf Ihre Haltung. Konkret gefragt: Wie stehen oder sitzen Sie jetzt gerade, in diesem Augenblick, während Sie diese Zeile lesen? Stehen oder sitzen Sie vielleicht so wie Charly Brown, wenn er deprimiert ist? Möchten Sie das ändern? Haben Sie schon? Was hat sich dabei noch geändert? Gedanken, Gefühle, Stimmung? Wer eine gut trainierte Achtsamkeit besitzt, bemerkt sofort die kleinen Veränderungen, die die großen ermöglichen. Oder wie ein Manager im Coaching mal sagte: „Seit ich Embodiment kenne, muss ich in heiklen Verhandlungen nur ganz bewusst unterm Tisch die Faust ballen. Sonst habe ich immer unbewusst den unteren Rücken geballt – hat nicht halb so stark meine Durchsetzungskraft befeuert wie die Faust.“

Sie können gleich damit weitermachen: Wie stehen oder sitzen Sie jetzt gerade in diesem Moment? Sie müssen dabei noch nicht einmal etwas ändern. Nur achtsam wahrnehmen. Mehr braucht es nicht.

Sie werden spüren: Sofort öffnet sich der Fokus, alles wird weiter, der Tunnelblick verschwindet, die Atmung wird ruhiger, Sie sind präsenter. Damit erweitern Sie automatisch Ihre Handlungsmöglichkeiten. Sie verfügen über ein wesentlich größeres Potenzial. Sie fühlen sich besser. Sie sind es: leistungsfähiger, wacher, motivierter; eben: präsent. Ohne dass Sie etwas verändert hätten. Allein dadurch, dass Sie sich Ihren Körper wieder bewusst gemacht haben, dass Sie raus aus dem Kopf und wieder rein in den Körper gekommen sind, hat sich bereits etwas zum Guten verändert. Buddha sagte nicht ohne Grund:

„Ganz gleich, was du tust:
Vergiss nie, dass du einen Körper hast.“

Jetzt stellen Sie sich vor: Sie machen das nicht nur einmal, nicht nur wöchentlich einmal, sondern täglich mehrmals.

Dann holen Sie wirklich alles aus sich raus, sind noch souveräner und gelassener und nutzen immer Ihr gesamtes Potenzial.

Das wünsche ich Ihnen.

Achtsame Grüße, Matthias Wölkner

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