Was willst du? Und was brauchst du?

In den letzten Tagen geht mir ständig eine Textzeile von den Rolling Stones durch den Kopf: „You can’t always get what you want …” So eine Ohrwurm-Heimsuchung ist beim Meditieren echt lästig. Dann habe ich den ganzen Text gegoogelt:

„No, you can’t always get what you want
But if you try, sometime you just might find
You get what you need“

Du bekommst, was du brauchst, nicht was du willst? Oha, was für eine Erkenntnis. Sex Drogen und Rock’n’Roll führen also auch zur Erleuchtung. Und woher weiß ich, was ich wirklich brauche?

Steht auch im Text, grob übersetzt:
„Wenn du versuchst zu bekommen, was du willst (und es klappt nicht), wirst du stattdessen vielleicht finden, was du brauchst.“

Das ist aber ein anstrengender Weg. Warum muss man diesen Umweg gehen? Müssen wir nicht. Doch aufgrund unserer Konditionierung erkennen wir in den seltensten Fällen das, was wir wirklich brauchen: zum Beispiel mehr Ruhe, mehr Zufriedenheit, mehr Selbstliebe, mehr Zeit für die Menschen, die wir lieben.

Stattdessen jagen wir nach Erfolg, Anerkennung, Geld, Macht, … Wir jagen nach dem, was wir wollen. Wir folgen unserer Konditionierung und das ohne jede Überprüfung, ob das, was wir wollen und jagen, auch wirklich das ist, was wir tatsächlich brauchen.

Wenn wir dann das Glück haben, ja, Sie haben richtig gelesen, das Glück haben zu scheitern und schmerzhaft auf Granit zu stoßen, dann ist spätestens jetzt der Moment der Achtsamkeit gekommen und der Erkenntnis: Wenn ich nicht bekomme, was ich will, vielleicht ist dann das, was ich eben bekommen habe das, was ich eigentlich brauche?

Die Kunst besteht nun darin, genau diese Situation, in die wir uns verrannt haben, als DIE Chance zu erkennen. Der Wink mit dem Zaunpfahl, um Abstand zu nehmen von:

  • Ich will unbedingt dieses berufliche Ziel erreichen!
  • Ich muss Karriere machen!
  • Ich will von diesem Menschen Anerkennung (Respekt, Liebe, was auch immere) bekommen.

Wie heißt es so schön:

Ich leiste mir Dinge, die ich nicht brauche, mit Geld, das ich nicht habe, um Leuten zu gefallen, die ich nicht mag.

Will ich das wirklich? Brauche ich das? Was brauche ich dann?

Manchmal brauchen wir erst einmal eine Ent-Täuschung. Einen Hinweis auf unsere Täuschung. Einige brauchen leider erst den Burnout. Sie werden dann auf sehr brutale Weise inne gehalten, damit sie die Gelegenheit haben zu erkennen: Man kann und sollte nicht immer alles haben, was man will – weil das, was man will, einem nicht gut tut. Sie erfahren auf diese Weise sehr schmerzhaft, dass das, was man will, nicht immer das ist, was man braucht, was gut für einen ist oder auch nur gesund oder angebracht wäre.

Deswegen ist Achtsamkeit so wichtig, um wesentlich früher die Signale zu erkennen, die Tschakka-Appelle der anderen und die eigenen „Streng dich an!“-Antreiber zu überprüfen: Will ich das? Oder brauche ich das? Muss ich das haben? Und tut mir das langfristig (!) gut?

Mein systemischer Ausbilder Dr. Gunther Schmidt sagte mir einmal: „Wenn du bei einem Training, Konfliktmanagement oder beim Coaching zu viel Energie brauchst, dann läuft etwas falsch. Sei smarter, lass los. Auf keinen Fall mehr vom selben, sondern anders.“

Was braucht es jetzt, in dieser Situation und vor allem: Was brauchst du selbst genau jetzt?“ Er hat nicht gesagt: „Was willst du?“ Wenn wir immer bekämen, was wir wollen, hätte die Hälfte von uns die eigene Kindheit wegen akuten Eis- und Schokolade-Kollers nicht überlebt. Was wir wollen ist eher selten das, was wir brauchen.

Ratschläge sind auch Schläge und was Gunther Schmidt damals sagte tat richtig weh. Das war ein Schlag gegen meine stärkste Konditionierung. Ich soll auf mich achten? Was soll das denn? Ich will doch hier Ergebnisse erzielen. Ich will Gas geben, mich richtig anstrengen, Leistung bringen, sonst wird das nichts.

Alle erfolgreichen Menschen und High Performer haben einen starken „Streng dich an!“-Antreiber. Aber wie schon Paracelsus sagte:

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht’s, dass ein Ding kein Gift sei.“

Achten Sie darauf, wenn Sie wieder etwas erzwingen wollen; mit viel Energie und stellenweise mit Gewalt erreichen wollen. Das sind deutliche Signale, Hinweise, Aufforderungen zur Achtsamkeit. Signale, die uns den Weg weisen. Hinweise, die uns auffordern, das, was wir so unbedingt und verkrampft erreichen wollen für einen achtsamen Augenblick loszulassen (hinterher können wir uns immer noch erneut wie ein Pitbull darin verbeißen) und zu schauen, was wir wirklich brauchen. Im Gegensatz oder in Ergänzung zu dem, was wir wollen oder zu wollen meinen.

Es lohnt sich. Versuchen Sie es und Sie werden ein Wunder erleben. Sie erreichen mehr und brauchen weniger Energie dafür. Das, was Sie dann erreichen, ist nicht das, was Sie ursprünglich wollten. Es ist anders, besser, mehr:

„ … you just might find
You get what you need“

Es könnte sein, dass es sich als das herausstellt, was Sie eigentlich brauchen. Es ist Ihre Chance, das loszulassen, was Sie aufgrund Ihrer Konditionierung meinen, unbedingt wollen zu müssen.

Mögen Sie immer öfter erkennen, was Sie wirklich brauchen.

Achtsame Grüße, Matthias Wölkner

Ihnen hat dieser Beitrag gefallen? Teilen Sie ihn!Tweet about this on Twitter
Twitter
Share on Facebook
Facebook
Share on Google+
Google+
Share on LinkedIn
Linkedin
Email this to someone
email
Print this page
Print

Kommentare sind derzeit geschlossen.