Wann macht ihr endlich, was ich will?

Es gibt zwei Arten von Menschen. Die einen machen, was Sie ihnen sagen. Die anderen machen Ärger. Auf Beraterdeutsch: Sie entwickeln Widerstände. Das ist ärgerlich. Haben Sie Lust auf ein kleines Experiment?

Experimentieren wir: Wechseln wir die Perspektive. Anstatt Widerstände aus der Perspektive der Ärger-Ecke zu betrachten, betrachten wir sie energetisch. Ist heute ja in Mode. Widerstände sind zwar auch lästig, aber auf jeden Fall pure Energie. Da ist jemand ganz energisch gegen das, was ich von ihm will. Was mache ich mit dieser Energie?

Wenn ich sie bekämpfe, habe ich schon verloren – nämlich meine Energie. Das kennen wir aus der Physik: Druck erzeugt Gegendruck. Wenn ich gegen den Widerstand anderer mit viel Power angehe, verstärke ich den Widerstand.

Das ist Energieverschwendung.

Analysieren wir lieber die Energie, die hinter dem Widerstand steckt. In 90 % der Fälle, oh Wunder, kommt unsere Analyse zum Ergebnis: Der andere will mit seinem Widerstand Energie sparen. Und das aus gutem Grund.

Jede Veränderung bringt Neues, Ungewohntes, Unsicherheiten, Ängste und ist somit Aufwand, der Energie frisst. Diesen Aufwand möchten viele vermeiden oder verringern. Indem sie Widerstand gegen die vermeintlichen „Energieräuber“ entwickeln. Das ist das Problem und damit schon die Lösung: Nutzen Sie die Absicht des anderen, Energie zu sparen, indem Sie ihm zeigen, dass er mit etwas Einsatz am Ende mehr Energie einspart als er am Anfang dafür aufbringt. Betrachten wir ein Beispiel aus der Praxis.

Eine Ihrer Teamleiterinnen hat große Probleme, ihre Mitarbeiter zu kritisieren. Sie bemerken das zum wiederholten Male, ärgern sich und sagen ihr: „Aber das ist doch ein wesentlicher Teil Ihrer Führungsaufgabe. Ihre Mitarbeiter brauchen doch Feedback, auch kritisches!“ Und während Sie das sagen, lesen Sie an ihrem Gesicht ab: Hoppla, damit erzeuge ich nur noch mehr Widerstand. Jetzt ist Achtsamkeit gefragt, sonst rutschen Sie ganz schnell in eine Frustspirale und sagen was Dummes. Wie vermeiden Sie das?

„Atme sonst stirbst du!“

, sage ich mir in solchen Stresssituationen. Und schon mit den ersten gut beobachteten Atemzügen lässt der Frust nach und ich komme im Hier und Jetzt an. Anders ausgedrückt: Ich bin dann so geistes-gegenwärtig, dass mir zum Beispiel wieder die Energieperspektive einfällt und ich mich fragen kann: Warum wehrt die Teamleiterin sich gegen so etwas Vernünftiges? Was möchte sie mit ihrem Energieaufwand erreichen? Ich spreche sie darauf an.

Dabei stellt sich heraus: Sie befürchtet, dass sie mit kritischem Feedback eine schlechte Stimmung im Team schürt. Aha, da kommt die Energie her: von dem Wunsch nach Harmonie. Das gilt übrigens für viele Führungskräfte. Die meisten geben es nur nicht zu oder wollen es nicht wahr haben.

Damit kommen wir zur Frage nach der Energiebilanz: „Was passiert, wenn Sie jetzt nichts tun und alles so weiter laufen lassen? Könnte das später zu schlechter Stimmung im Team führen?“ Sie sagt: „Hm, wie die Erfahrung zeigt, ist genau das ein Problem. Mit meiner Kritikvermeidung verbessere ich die Stimmung kurzfristig, verschlechtere sie langfristig, wenn das kritikwürdige Verhalten mangels Kritik eben nicht abgestellt wird und zu Schäden führt. Und der Saldo zwischen kurz- und langfristiger Perspektive ist negativ.“ Was soll ich machen? So reden gut trainierte Führungskräfte nun mal; insbesondere die weiblichen.

Nach so einer Energiebilanz brauchen Sie keine Energie mehr, um die Teamleiterin davon zu überzeugen, dass Veränderungen notwendig sind. Sie hat sich dank Energiebilanz schon selber überzeugt. Deshalb können Sie Ihre Energie sinnvoll dafür einsetzen, mit ihr zusammen einen passenden Weg für die jetzt widerstandslos als nötig erachtete Veränderung zu erarbeiten.

So agieren Sie mit dem Kalkül der Energiebilanz hoch effizient und ganz nebenbei auch noch sozialkompetent.

Das wünsche ich Ihnen und Ihren Mitarbeitern

Achtsame Grüße, Matthias Wölkner

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