Vom Wahnsinn zur Erleuchtung

Kürzlich hat der OB von Böblingen Wolfgang Lützner den schönen Spruch auf Facebook gepostet:

„Das Beste an einer gewissen Lebensreife besteht darin, dass man so manches mit den Worten ‚Ich bin zu alt für diesen Scheiß‘ ablehnen kann.“

Stimmt genau, habe ich mir gedacht, schlauer Plan, aber warum fühle ich mich dann trotzdem immer noch so oft so getrieben? Es gelingt mir leider nicht immer, alles Lästige mit diesem flotten Spruch abzutun. Ich rase von einer Aufgabe zur nächsten durch den Tag und das Schlimmste dabei: Während ich noch an der einen Aufgabe werkle, bin ich gedanklich schon bei der nächsten. Es gibt sogar noch eine Steigerungsform: Während der aktuellen Aufgabe denke ich „Oje, was ich noch alles machen muss, wie soll ich das denn alles schaffen?“

Wahre Meisterschaft erreicht der Wahnsinn dann, wenn ich mich mitten in einer Aufgabe beim Gedanken ertappe: „Ob ich vielleicht nicht besser die andere Sache machen sollte? Die ist ja eigentlich wichtiger und dringender!“

Mit diesem Gedankenkarussell befördert man sich selbst zum Wahnsinn – oder zur Erleuchtung. Letztere kam irgendwann glücklicherweise in Form einer alten Zen-Geschichte:

Ein Zen-Schüler fragt seinen Meister: „Was unterscheidet den Zen-Meister von einem Zen-Schüler?“ Der Zen-Meister antwortet: „Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich schlafe, dann schlafe ich.“

„Wieso? Das mache ich doch auch.“

Der Zen-Meister antwortet: „Wenn du gehst, denkst du ans Essen und wenn du isst, dann denkst du ans Schlafen. Wenn du schlafen sollst, denkst du an alles Mögliche. Das ist der Unterschied.“

???

Und hier mein 3-Schritte-Plan, um dies umzusetzen:

  1. Entscheiden
    Bevor ich mit einer Aufgabe beginne, stelle ich sicher, dass ich genau diese jetzt für die nächsten (maximal) 20 Minuten anpacken möchte.
  2. Abschotten
    Ich mache diese Aufgabe, diesen Schritt, den ich jetzt ausführe, zum Einzigen was es gibt auf dieser Welt. Handy aus, Email aus, alles andere weg vom Schreibtisch/Blickfeld. Nur das, was ich jetzt tue, ist wichtig und bedarf meiner vollen Achtsamkeit. Die oben erwähnten Gedanken schiebe ich immer wieder weg, zumindest für die Zeit von (maximal) 20 Minuten, die ich mir selber vorgegeben habe.
  3. Unterbrechen
    Egal, ob ich nach dieser vorgegebenen Zeit fertig bin oder nicht (Wecker stellen), unterbreche ich diese Aufgabe. Ich nehme drei bewusste Atemzüge und schaffe so Raum und Abstand, bevor ich wieder zu Schritt 1 gehe.

Ehrlich gesagt, erleuchtet bin ich danach nicht, aber am Ende des Tages fühle ich mich wesentlich besser, bin nicht gerädert wie ein Hamster im Laufrad, der gewuselt hat wie ein Wilder und keinen Millimeter vorangekommen ist. Erstaunlicherweise habe ich auch wesentlich mehr erreicht als sonst.

Es lohnt sich, probieren Sie es mal aus. Ich bin wie immer gespannt, was Sie mir berichten: Email

 

Achtsame Grüße, Matthias Wölkner

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