Stress wird völlig falsch bewertet

Haben Sie schon die neusten Wirtschaftsnachrichten gelesen? In Ihrer Branche wird es spätestens in drei Monaten massive Entlassungen geben aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Lage.

Ehrlich: Was spüren Sie gerade?

Zur Auswahl stehen Furcht, Sorge, Stress, Frust, Belastung … Völlig verständlich. Woran merken Sie das? Wenn ich dieses Experiment mit Führungskräften mache, kommt oft die Antwort:

„Magen verkrampft sich, Herzschlag geht hoch, Atem wird flach.“

Szenenwechsel. (Übrigens: Danke, dass Sie das Experiment mitmachen; Respekt.) Neue Szene: Welchen Sport treiben Sie oder haben Sie früher getrieben? Wenn Sie dabei sozusagen im Endspurt waren, die letzten Meter, kurz vor der Ziellinie oder kurz vor dem entscheiden Satzball, Torschuss, genialen Pass … was spür(t)en Sie da? Häufigste Antwort:

„Magen verkrampft sich, Herzschlag geht hoch, Atem wird flach.“

Hm. Seltsam. Erstaunlich. Phantastisch:

Es gibt gar keine Angst, Sorge oder Stress!

Wenn die Gefühle und Empfindungen in beiden Fällen so gut wie identisch sind, können wir das, was wir dabei spüren, entweder so oder so nennen. Und wir wären ja blöd, wenn wir das (weiterhin) als Angst oder anderen „negativen“ Affekt bezeichnen würden.

Das ist ein Taschenspieler-Trick?

Und was für einer! Ein unglaublich wirksamer. Man nennt ihn Reframing. Ein berühmter Redner verriet mir mal:
„Ich habe kein Lampenfieber, hatte ich nie. Ich erlebe aber immer eine sehr intensive Vorstartspannung, die mir den nötigen Kick verleiht, das Beste zu geben.“

Tolles Reframing. Eine Sekretärin sagte mir:
„Ich dachte immer, mein Chef ist cholerisch. Irgendwann dachte ich lieber: ‚Der ist außerordentlich emotional.‘ Seither kommen wir besser miteinander aus.“

Der Top-Verkäufer eines Unternehmens meint:
„Ich habe keine Angst, dass der aktuelle Mega-Deal platzt. Ich bin einfach bis in die Haarspitzen motiviert.“

Merken Sie was? Sie haben immer die Wahl;

Sie geben den Dingen die Bedeutung.

So oder so. Unbewusst („Angst!“) oder bewusst („bis in die Haarspitzen motiviert!“) Wohlgemerkt: Niemand schüttelt so ein im Sinne des Wortes weltbewegendes Reframing aus dem Ärmel. Da muss man gut und sorgfältig nachdenken und die Varianten durchspielen, bis eine für Sie authentisch passt. Erst dann wird man belohnt. Aber das ist nur gerecht: Wer sich die Mühe macht – solo oder mit Coach – soll auch den Lohn der Mühe ernten.

Haben Sie ein tolles Reframing? Erzählen Sie.

Achtsame Grüße, Matthias Wölkner

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