Schnellanleitung zum Unglücklichsein

Um schnellstmöglich unglücklich zu werden, vergleichen Sie sich ständig und bei allem, was Sie sind und haben, mit anderen. Besonders mit denen, die mehr Geld haben, bessere Autos fahren, noch schönere Wohnungen oder Häuser besitzen.

Zweifel an dieser Schnellanleitung zum Unglücklichsein sind unbegründet: Sie finden immer Menschen die mutiger, attraktiver, erfolgreicher, fähiger, schlagfertiger, vermögender und in was weiß ich besser sind als Sie. Behalten Sie immer jene Menschen im Auge, die mehr haben und mehr sind als Sie, fühlen Sie sich deshalb als Versager und bemitleiden Sie sich so richtig, was Sie doch für ein armer Mensch sind, wenn sie bei diesen Negativvergleichen nicht gut abschneiden.Traurig Vergleich

Hilfe finden Sie in der Werbung. Dort wird Ihnen ganz deutlich gezeigt, wie Ihr Leben eigentlich aussehen sollte: Ein tolles Haus, ein Model als Frau, die natürlich gleichzeitig Mutter von zwei hübschen, süßen und immer braven Kindern ist, und das perfekte Auto steht auch vor der Tür. Sie haben das nicht alles? Schämen Sie sich, fühlen Sie sich klein und unbedeutend. Fragen Sie sich, wer Sie überhaupt sind, wenn Sie das nicht alles haben und ob Sie überhaupt noch „dazu“ gehören.

Und wenn das alles noch nicht reicht zum Unglücklichsein, gehen Sie auf Facebook. Dort können Sie sehen, dass es allen Ihren „Freunden“ besser geht als Ihnen. Die haben ständig (den besseren) Urlaub, sind andauernd auf viel tolleren Konzerten und Veranstaltungen oder sitzen schon wieder in einem angesagten Restaurant oder Café. Wann gehen die eigentlich zur Arbeit?

Auf diese vielfältige Weise bekommen wir von morgens bis abends hilfreiche Unterstützung bei unseren Bemühungen, unglücklich zu werden und zu bleiben.

„Ja, aber…“, werden Sie vielleicht sagen „…wir brauchen doch den Vergleich, den Wettbewerb, sonst würde sich die Menschheit gar nicht weiterentwickeln.“ Ignorieren wir mal die Diskussion, ob wir nicht auf so manche Entwicklung gut und gerne auch verzichten könnten und schauen wir im Kindergarten vorbei.

Wenn kleine Kinder sehen, dass ein anderes Kind etwas kann und sie möchten dass auch können, scheuen sie keinen Aufwand, um das Erwünschte zu erreichen. Auch wenn es bedeutet, bei den ersten Gehversuchen x-mal hinzufallen, vor die Tischkante zu laufen oder über den Teppich zu stolpern.

Was machen wir später als Erwachsene? Auch als Erwachsene möchten wir dies oder das auch haben oder sein, aber im Unterschied zum Kleinkind sind wir (eigentlich) nicht bereit, dafür zu investieren.

Wir möchten zum Beispiel so erfolgreich Marathon laufen wie die fitte Nachbarin, finden aber irgendwie nie die Zeit, dafür zu trainieren. Dafür sind wir dann unglücklich, beleidigt und jammern, wie ungerecht das Leben mit uns umspringt. Wir treiben den Vergleich als Mittel zum Unglücklichsein auf die Spitze: Wir sehen nicht, besser gesagt: wir wollen nicht sehen, was andere für das, wofür wir sie beneiden, investiert haben.

Gute Freunde von mir haben ein Haus in Deutschland, ein Chalet in der Schweiz und eine Villa in der Toskana. Je weiter man nach Süden kommt, desto schöner werden die Häuser. Eine wunderschöne Architektur und das Interieur perfekt abgestimmt bis auf das kleinste Detail, ein Traum. Wie gesagt, gute Freunde, die mir zum Glück auch erzählt haben, was für ein Aufwand, nicht nur finanziell, es war, das alles so perfekt zu gestalten. Als sie mir dann auch noch erzählt haben, was für ein Aufwand es ist, die Häuser zu erhalten, schoss es aus mir heraus: „Und wann habt ihr eigentlich Zeit, das alles zu genießen?“

So schön die Häuser auch sind – den Aufwand würde ich nicht wollen; der Preis ist mir zu hoch. Seitdem freue ich mich für meine Freunde und bewundere, was sie geschaffen haben, ohne auch nur eine Spur unglücklich zu sein, dass ich so etwas nicht habe.

Seitdem bin ich achtsam, wenn ich mich mal wieder beim Vergleichen ertappe. Will ich das, was ich vergleichend ersehne, wirklich? Und will ich folgerichtig auch den Preis dafür bezahlen?

Wollen Sie den besseren Job des kometenhaft aufgestiegenen Kollegen wirklich haben? Ist das tatsächlich so erstrebenswert? Würden Sie all das dafür tun und sein, was der Kollege dafür tat und ist?

Erfolg, Zufriedenheit und Glück ist für jeden etwas anderes, jeder hat seine eigenen Maßstäbe und das ist gut so. Ich wünsche Ihnen, dass Sie genau in jenem Augenblick, in dem Sie mal wieder vergleichen, achtsam werden und sich bewusst machen: Mit wem vergleiche ich mich da, will ich das wirklich und bin ich bereit, dafür den Preis zu bezahlen?

Achtsame Grüße, Matthias Wölkner

Haben Sie noch eine bessere Methode, um unglücklich zu sein? Schreiben Sie mir: Email

Ihnen hat dieser Beitrag gefallen? Teilen Sie ihn!Tweet about this on Twitter
Twitter
Share on Facebook
Facebook
Share on Google+
Google+
Share on LinkedIn
Linkedin
Email this to someone
email
Print this page
Print

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.