Nicht zählen, atmen!

Haben Sie schon mal Ihren Chef angeschrien? Ihr Kind geohrfeigt? Dem Partner wutentbrannt mit Scheidung gedroht?

Das kann Ihnen nicht passieren?
Denn Sie haben sich immer voll unter Kontrolle.

Davon sind viele überzeugt. Wenn man dann ihr Umfeld fragt, bestätigt dieses meist die absolute Beherrschtheit im Großen. Im Kleinen lautet jedoch das Feedback:

  • „Er tickt schon manchmal aus.“
  • „Sie sagt oft Dinge, die unpassend sind.“

Im Coaching sage ich das den Betroffenen – worauf sie erst einmal betroffen sind. Ein besonders beherrschter Manager äußerte daraufhin etwas Interessantes:

„Warum bloß kann ich mich in solchen Situationen nicht an das erinnern, was mir schon mein Großvater geraten hat? Bevor du losfeuerst – immer erst still auf drei zählen. Warum vergesse ich das so oft?“

Weil, mit Verlaub, Opa nicht Recht hatte. Obwohl den Tipp wirklich jeder kennt, versagt er fast ausnahmslos dort, wo wir ihn am nötigsten hätten: in Stresssituationen.

Denn unter Stress schaltet der Sympathikus, der Stressnerv, unser Großhirn ab. Das Großhirn ist jedoch jenes Organ, mit dem wir in so einer Situation zählen müssten. Deshalb funktioniert die Zähltechnik nicht.

Das dafür nötige Organ ist unter Stress nicht verfügbar. Wenn wir auch im übelsten Stress, im schlimmsten Konflikt, in der härtesten Verhandlung, im zähsten Beziehungsstreit und im Kontakt mit dem frechsten Teenager immer cool, locker, beherrscht und besonnen bleiben wollen, sollten wir ein Organ dafür verwenden, das auch unter Stress funktioniert. Gibt es das?

Gibt es und das haben Sie auch schon. Denken Sie an Ihren Atem. Ihre Lunge funktioniert im Gegensatz zum Großhirn auch unter Stress – sonst wären wir damals im Neandertal nicht dem Säbelzahntiger entkommen. Deshalb: Stress?

Nicht auf drei zählen, sondern auf drei atmen.

Besser: auf fünf. Tief. Wenn möglich aus dem Bauch heraus. Länger aus als ein. Warum? Ohne jetzt die physiologischen Wirkzusammenhänge zu strapazieren: Beim tiefen Ausatmen wird der Parasympathikus, der Nerv für Gelassenheit und Souveränität aktiviert. Wer genau in sich reinhört, merkt, wie sich beim bewussten, tiefen Ausatmen der Körper entspannt. Diese unbewusste Reaktion nutzen z.b. die Profis beim Biathlon ganz bewusst. Das benötigt ein wenig Training, do it yourself oder unter Anleitung. Aber danach funktioniert das. Zuverlässig. Probieren Sie. Und erzählen Sie mir.

Achtsame Grüße, Matthias Wölkner

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