Lass endlich gut sein!

Es gibt viele Bücher und Artikel über

  • Selbstmotivation
  • Den inneren Schweinehund überwinden.
  • Wie man Tatendrang trainiert.

Ich frage mich. Wer braucht das? Etwa Sie? Wohl kaum.

Die Menschen, die diesen Blog lesen, zu meinen Vorträgen und in mein Coaching kommen brauchen sowas ganz sicher nicht. Diese Menschen brauchen das Gegenteil. Nämlich die tröstende, erhebende, Kraft spendende und mehr als alles motivierenden Gewissheiten:

  • Es ist ok, wie es ist.
  • Du darfst so sein, wie du bist.
  • Es ist genug!

Das sind die besseren Bücher.

Und so erleben das auch meine Coachees. Zum Beispiel die Managerin, die neulich da war.

Sie steht ständig unter Druck, ist von der Arbeit gehetzt, immer nur im „Doing-Modus“. Also ständig muss was getan, etwas geleistet werden. Nichts tun, sich Ruhe gönnen und einfach mal nur Mensch und zufrieden sein: Geht gar nicht.

Auf die Frage, wann sie denn einfach nur einmal sein könne, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, sagt sie: „Als ich nach einem schweren Unfall im Krankenhaus lag, da habe ich mich richtig befreit gefühlt, da konnte ich zum ersten Mal komplett loslassen.“

Das ist spannend! Erst durch das ärztliche Zertifikat, mit diesem klinischem Attest hatte die Managerin die Erlaubnis erhalten, dass jetzt nichts mehr geht und sie ohne Sorge, ohne sich selbst Vorwürfe zu machen, einfach nur mal Mensch sein darf. Sie hatte die Erlaubnis, es zu akzeptieren, dass diese Situation jetzt erst einmal so ist und im Moment nichts geändert werden kann.

Wäre es nicht schön, wenn Sie sich ab und zu selbst so einen Erlauber geben könnten, ohne dass Sie einen Unfall haben müssen? Einfach auch mal sagen, ich bin müde, ich bin platt, ich kann nicht mehr und das ist ok so. Ich erlaube mir jetzt, für eine Weile nicht zu funktionieren.

„Das geht ja gar nicht, wo kommen wir denn da hin, dann geht’s ja nur noch bergab und ich lande unter der Brücke.“ Ich höre schon die Aufschreie einiger, denn ich kenne sie vom Coaching.

Frage: Ist das wirklich so?

Viele erkennen, wenn ich bei dieser Frage nachbohre, dass dies meist völlig überzogene Antreiber sind. Da sind Stimmen im Kopf, die uns einflüstern:

  • Wenn du das nicht hinbekommst, geht alles den Bach runter.
  • Wenn du jetzt schwächelst, dann machen die dich platt.
  • Du musst jetzt durchhalten, sei stark.

Auch von diesen Einflüsterungen, Sie ahnen es, befreit die Achtsamkeit. Indem Sie diesen Einflüsterungen nicht mehr unbewusst aufsitzen, sondern Sie achtsam wahrnehmen und reflektieren, erkennen Sie deren Unsinnigkeit – und sind befreit.

Sie haben solche Antreiber-Einflüsterungen doch sowieso nur in irgendwelchen Tschakka-Büchern gelesen oder irgendjemand hat Ihnen das eingebläut als Sie mal nicht gut aufgepasst haben. Achtsamkeit hilft hier, genau zu beobachten und diese Einschärfungen oder Skripte, wie sie in der Psychologie genannt werden, genau anzuschauen, ohne sie ungefiltert in sich eindringen zu lassen. Der Achtsame fällt nicht auf Einflüsterungen ein, die einem verbieten, Mensch zu sein. Das ist kein Generalrezept!

Jede Situation ist anders. Mal müssen Sie kurz auf die Zähne beißen, aber sehr oft sollten Sie sich auch die Erlaubnis geben:

Lass gut sein, es ist ok wie es ist.

Wenn sich das anfangs etwas seltsam anfühlt und Ihren ganzen Mut erfordert, dann nicht etwa deshalb, weil das „verboten“ ist (wer sollte Ihnen verbieten dürfen, Mensch zu sein?). Sondern weil das schlicht ungewohnt ist. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Geben Sie sich und Ihrem Lebensglück eine faire Chance! Probieren Sie das ein Dutzend Mal und: Das seltsame Gefühl ist verschwunden. Außerdem werden Sie empirisch bestätigt.

Sie werden nämlich feststellen: Die meisten Befürchtungen, die hinter den Antreiber-Einflüsterungen stecken, treten nie ein. So wie Mark Twain das auf dem Sterbebett gesagt hat:

„Ich hatte mein ganzes Leben viele Probleme und Sorgen. Die meisten davon sind niemals eingetreten.“

Haben Sie den Mut, sich selbst auch ohne ärztliches Attest die Erlaubnis zu geben und es gut sein zu lassen. Das ist so befreiend, das bringt verbrauchte Energie wieder zurück und dann können Sie auch wieder Gas geben. Und denken Sie daran: Dieses wunderbare Rezept zum Glück erschließt sich nur jenen, die diese Ich-bin-achtsam-und-gebe-mir-die-Erlaubnis-Übung über den Tag immer mal wieder einstreuen. Das ist der Lohn der Übung: Glück.

Ganz viel von diesem durch Übung verdientem Glück wünsche ich Ihnen.

Achtsame Grüße, Matthias Wölkner

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