Gib die Hoffnung auf!

Sobald wir bereit sind, die Hoffnung aufzugeben, dass Unsicherheit und Schmerz jemals beseitigt werden, entwickeln wir den Mut, uns in der Bodenlosigkeit unserer Situation zu entspannen.

Pema Chödrön, aus: Wenn alles zusammenbricht
 

Als ich das zum ersten Mal las, dachte ich: Nee, nicht schon wieder dieses „Du musst Loslassen-Geschwätz.“ Alle fordern, man müsse loslassen können, nur das mache frei. Gut gebrüllt ihr Löwen. Wer kann das schon in letzter Konsequenz? Das ist doch nur Nachgeplapper von Kalendersprüchen. Dieses berühmte „Loslassen“ bedeutet doch letztendlich die totale Resignation. Das widerspricht all meinen Werten, die mir über die Jahre eingebläut wurden. Okay, bleiben wir ehrlich: die ich mir habe einbläuen lassen. Wie zum Beispiel:

  • Das Leben ist ein Kampf – niemals aufgeben!
  • Das sind die Starken, die unter Tränen lachen, eigene Sorgen verbergen und andere glücklich machen.
  • Besiegt ist nur, wer den Mut verliert. Sieger ist jeder, der weiterkämpfen will.
  • Man muss nur einmal mehr aufstehen als man hinfällt.

Wie viele Jahre wurden uns solche und ähnliche Glaubenssätze von unseren Eltern, der Gesellschaft und dem Management-Trainer ungefiltert reingehämmert? Genauso unreflektiert haben wir dann diese Pseudo-Weisheiten weiter gepredigt. Zum Beispiel unseren Kindern oder Freunden, die am Boden lagen. Immer im guten Glauben, sie mit diesen Weisheiten wieder aufzubauen.

Und dann kommt einer und sagt:

Gib die Hoffnung auf und fang endlich an zu leben.

Ich hatte das Glück, dass vor einigen Jahren ein Großkunde mir alle Aufträge auf einmal stornierte. Immerhin zwei Drittel meines Jahresumsatzes. Wochen später starb mein Vater. Ja, Sie haben richtig gelesen: „Ich hatte das Glück“. Das Glück zu erleben, wie es ist, wenn alles zusammenbricht. Eine der wichtigsten Erfahrungen in meinem Leben.

Gemeint ist eine Erfahrung völliger Hoffnungslosigkeit, das vollständige Aufgeben jeglicher Hoffnung. Es ist der Anfang vom Anfang. Ohne die Hoffnung aufzugeben, dass es irgendwo besser ist, oder das man selbst irgendwie besser sein könnte, werden wir niemals gelassen akzeptieren, wo wir sind und wer wir sind.

Pema Chödrön, aus: Wenn alles zusammenbricht
 

Ich musste erst in diese Situation kommen, um diese Weisheit zu verstehen. Nein, nicht verstehen, sondern erfahren.

Weisheit kann man nicht verstehen, man kann sie nur erfahren. Ich wünschte mir heute, dass ich mich öfters an diese Situation erinnere.

Trotz der Trauer und Niedergeschlagenheit war da ein wunderbares Gefühl von tiefster Losgelassenheit, innerem Frieden und Ruhe. Ich war zum ersten Mal wirklich im Hier und Jetzt angekommen, ohne Erwartungen und ohne Hoffnung. Was für eine Befreiung. Es war der Anfang vom Anfang.

Habe ich seitdem alle meine alten „Kampf-Werte“ über Bord geworfen? Nein, das geht gar nicht.

Wir müssen ab und zu für etwas kämpfen. Doch zu glauben, mit unserem unbeugsamen Willen und Kampfesmut werden wir alles, aber auch wirklich alles wieder auf die Reihe bringen, ist völlig unrealistisch. Manchmal, ganz oft, immer wieder müssen wir erkennen: Wir erreichen mit Gelassenheit nicht nur mehr als mit Kampf, der schnell in Krampf abgleitet. Wir bleiben, indem wir loslassen, auch eben gelassener. Und um dieses Loslassen zu praktizieren, tun wir gut daran, und sei es nur für Sekunden, diese bodenlose Hoffnungslosigkeit zuzulassen, die uns bei Enttäuschungen aller Art ganz automatisch überfällt. Loslassen macht uns erfolgreicher und gelassener. Und beides wiederum macht uns souverän und gelassen: stressimmun Das wünsche ich Ihnen.

Mit achtsamen Grüßen, Matthias Wölkner

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