Achtsamkeit ist doch doof

„Seit ich achtsamer bin als früher, bin ich auch viel empfindlicher geworden – und jetzt frage ich mich, ob sich das überhaupt lohnt, das mit der Achtsamkeit.“

Exzellente Frage! Ich höre sie häufig im Coaching und nach Vorträgen: Wer offener wird für sich und die Welt wird auch offener für Verletzungen. Das heißt nun nicht, das Kind mit dem Bade auszuschütten: Nie wieder Achtsamkeit! Das läuft eher in die Richtung von Linda Lehrhaupt, die ungefähr sagte:

„Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist: Wenn Sie achtsamer werden, werden Sie auch einfühlsamer. Und nun die schlechte: Wenn Sie achtsamer werden, werden Sie auch einfühlsamer.“

In dem Maße, wie Sie achtsam viel mehr Freude, Glück, Erfüllung finden, finden Sie auch viel mehr alte Ängste, Verletzungen, Dämonen.

Das ist aber manchmal nicht zum Aushalten?

Dann halten Sie’s nicht aus!
Nehmen Sie Ihre Achtsamkeit vom quälenden Dämon wieder zurück auf was? Natürlich, Sie ahnen es inzwischen: auf Ihren Atem. Und – oh Wunder! – schon quält der Dämon nicht mehr so sehr.  Einfaches Rezept, immer wirksam. Das einzige, was Sie dafür brauchen, ist ein wenig Übung, Training – wie für alles, was gut für Sie ist.

Achtsame Grüße, Matthias Wölkner

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5 Comments

  1. Frank said:

    Danke für den Beitrag. Wie komme ich zur Achtsamkeit? Meist über ein Unwohlsein in der Hoffnung auf Besserung.

    Wenn ich nun Positives und Negatives intensiver spüre, habe ich mathematisch gesehen den Durchschnitt oder Offset dort belassen, wo er war. Oder nicht?

    Es geht nur steiler rauf und runter, insgesamt sehe ich da keine Besserung. Was mache ich falsch? (Denn ich möchte Ihren Worten gern glauben).

    Danke.

    21. April 2015
    Reply
    • woelkner said:

      Danke für den exzellenten Kommentar,

      Sie treffen den Nagel auf den Kopf: Leider kommen die meisten Menschen zur Achtsamkeit über ein Unwohlsein in der Hoffnung auf Besserung und genau darin liegt die Falle. Genau deswegen hat es Linda Lehrhaupt (Leiterin des Instituts für Achtsamkeit), bei der ich meine Ausbildung zum MBSR Lehrer gemacht habe, gleich am Anfang gesagt.
      Der Versuch selektiv achtsam zu sein, verfehlt die Essenz der Achtsamkeit. Es gibt viele Definitionen von Achtsamkeit hier meine
      Wenn wir in der Lage sind die Dinge achtsam wahrzunehmen wie sie sind, ohne uns in Bewertungen zu verfangen, dann schwindet auch das auf und ab. Sie werden Souveräner und gelassener. Ich hoffe der folgende Blog: Glaub deinem Kopf kein Wort! bringt das noch etwas deutlicher rüber.
      Wenn nicht: bitte weiter fragen und bitte nichts und niemandem glauben.
      Achtsame Grüße, Matthias Wölkner

      21. April 2015
      Reply
  2. Frank said:

    Danke für die Antwort. Ich mache MBSR seit Jahren, bisher nie gelungen wirklich wertungsfrei wahrzunehmen. Z.b. Weil ich Ziele verfolge oder Wünsche habe. Alles, was dem näher kommt werte ich automatisch als gut.

    Und ein weiterer Punkt: z.B. in unserer Kantine ist es sehr laut. Alle versuche achtsam und stressfrei eine Unterhaltung zu führen, scheitern. Ganz einfach, weil es enorm anstrengend ist, das Wort des Gegenübers aus dem Lärm zu filtern.
    Da spricht der Körper eine klare Sprache und ist gestresst.

    Haben Sie eine Lösung dafür? Ausser zu sagen „So hosch welle“. Denn ich wollte meinen Job, aber nicht alles was darin passiert. Gegen die laute Umgebung z.b. bin ich machtlos.

    23. April 2015
    Reply
    • woelkner said:

      Sie bringen super Themen auf den Tisch.

      …bisher nie gelungen wirklich wertungsfrei wahrzunehmen

      Das ist der Klassiker. Es geht nicht wertungsfrei zu sein, weil unser Gehirn eine spezielle Bauart hat. Das Gehirn benutzt den Trick der Mustererkennung. Eine Art Intuition, ein Erfassen des Ganzen anhand von wenigen Bruchteilen und in Bruchteilen von Sekunden, ohne nachzudenken. Und wir haben keine Chance daran vorbeizukommen. Wir können feststellen: „Ach schau mal da ich habe die Situation (be)wertet. Hier kann und sollte Achtsamkeit greifen, davor geht nicht. Sich aber seiner Bewertungen bewusst zu sein ist wahre Größe.

      Gegen die laute Umgebung z.B. bin ich machtlos.

      Stress ist eine Realität darunter Leiden eine Option. Es sind die Vorstellungen und Gedanken (es sollte doch verflixt nochmal anders sein), die zum Stress führen. Eine gute Übung zum Loslassen.
      Aber in der geschilderten Situation wäre ich Pragmatiker und würde meinem Gegenüber vorschlagen erst mal achtsam zu Essen und anschließend sich in Ruhe außerhalb der Kantine zu unterhalten.

      Achtsame Grüße Matthias Wölkner

      23. April 2015
      Reply
  3. Hosting said:

    Die meisten Menschen sind sich voll daruber im Klaren, dass es diskriminierend ist, „behindert“ als Abwertung zu verwenden. Doch was ist mit den vielen anderen ableistischen Formulierungen, die in unserem Sprachgebrauch sonst noch so verbreitet sind? „

    4. Juni 2016
    Reply

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